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Five years after Germany became the second EU Member State to introduce legislation to protect children with variations of sex characteristics from non-consensual, medically unnecessary interventions, OII Europe warns that the law is failing to deliver the protection it promised. Despite the introduction of Section 1631e of the German Civil Code in 2021, these harmful practices continue in 2026 due to significant loopholes in the Code. These irreversible interventions violate children’s rights to bodily integrity, autonomy and self-determination and have repeatedly been condemned by international human rights bodies. In May 2026, the German government, according to Article 6, was meant to review the effectiveness of the law by means of an evaluation report to be presented to the Bundestag. However, at the time of writing, no evaluation report has been published since the passing of the statutory deadline.
OII Europe fully endorses the press release issued by OII Germany on 26 May 2026, which highlights how the current legal safeguards are failing in practice. Rather than preventing non-consensual and medically unnecessary interventions, a recent reply1 from the German Ministry of Justice and Consumer Protection to a parliamentary question shows that these interventions continued in 2023 and 2024: the reply states that out of 71 proceedings under Sections 1631e that were brought to the Family Courts, 70 interventions were allowed to be carried out with the consent of the parents and 1 was allowed without requiring the consent of the parents. New research from 2025 revealed the same findings2: most often, the supposed safeguards of the Family Court procedure in cases where interventions are deemed necessary, rely and follow almost exclusively the recommendations from medical commissions that continue to treat innate variations of sex characteristics as conditions to be “corrected”. This worrying trend highlights that the opinions of the medical commission thereby entrench a pathologising view instead of considering the best interests of the child, which is in direct contrast to the spirit and letter of Section 1631e. As a result, intersex children remain vulnerable to irreversible surgical and/or medical procedures before they are old enough to make free and fully informed decisions about their own bodies.
OII Europe calls on the German Government to urgently publish the evaluation of the law. In addition, given the clear evidence pointing to a need to revise and strengthen some provisions in the law, we strongly urge the government to commission an independent scientific evaluation of the law.
Furthermore, we call on the government to close the remaining loopholes in the legislation, which OII Europe and OII Germany have already addressed in a joint statement on 12 July 2024. This is the only way to ensure that intersex children are effectively protected from further breaches of their fundamental rights. This includes;
- Strengthening legal protections for children’s bodily autonomy and right to gender self-determination,
- Providing independent, free peer support for families,
- Establishing mandatory gender-sensitive training for family court judges, (thereby ensuring that courts base their decisions on the best interest of the child and in line with human rights standards rather than outdated medical assumptions)
- Establishing reparations and a compensation fund for intersex people who have experienced IGM,
- Pursuing openness and transparency in all processes,
- Sharing data publicly on the current frequency of practices of IGM in Germany.
Five years after the law came into force, intersex children deserve real protection—not protections that exist only on paper. In 2021,OII Europe applauded the German government for building an evaluation of the effectiveness of the IGM ban into the text of the law, and have since encouraged other governments to build similar evaluation provisions into their own national legislation. This provision means nothing, however, if the government fails to act on its promises and legal obligations. Together with OII Germany, we urgently await a comprehensive evaluation of Section 1631e.
Deutsche Fassung:
OII Europe fordert die deutsche Regierung auf, die Evaluation des deutschen gesetzlichen Schutzes abzuschließen
Fünf Jahre, nachdem Deutschland als zweiter EU-Mitgliedsstaat ein Gesetz zum Schutz von Kindern mit Variationen der Geschlechtsmerkmale vor uneingewilligten, medizinisch unnötigen Eingriffen eingeführt hat, warnt OII Europe, dass dieses Gesetz den versprochenen Schutz nicht gewährleistet. Trotz der Einführung des Paragraphen 1631e des Bürgerlichen Gesetzbuchs im Jahr 2021 werden diese schädlichen Praktiken auch im Jahr 2026 aufgrund erheblicher Gesetzeslücken fortgesetzt. Diese irreversiblen Eingriffe verletzen die Rechte der Kinder auf körperliche Unversehrtheit, Autonomie und Selbstbestimmung und wurden wiederholt von internationalen Menschenrechtsgremien verurteilt. Im Mai 2026 hätte die Bundesregierung gemäß Artikel 6 die Wirksamkeit des Gesetzes anhand eines dem Bundestag vorzulegenden Evaluationsberichts überprüfen müssen. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Texts ist jedoch seit Ablauf der gesetzlichen Frist kein Evaluationsbericht veröffentlicht worden.
OII Europe schließt sich der von OII Germany am 26. Mai 2026 veröffentlichten Pressemitteilung voll und ganz an, in der aufgezeigt wird, wie die derzeitigen rechtlichen Schutzvorkehrungen in der Praxis versagen. Anstatt uneingewilligte und medizinisch unnötige Eingriffe zu verhindern, wurden diese Eingriffe auch in den Jahren 2023 und 2024 fortgesetzt. Dies zeigt eine aktuelle Antwort3 des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz auf eine schriftliche Anfrage. aus welcher hervorgeht, dass von den 71 Verfahren gemäß § 1631e, die vor den Familiengerichten angestrengt wurden, 70 Eingriffe mit Zustimmung der Eltern durchgeführt werden durften, und einer ohne Zustimmung der Eltern zugelassen wurde. Eine neue Studie4 aus dem Jahr 2025 kam zu denselben Ergebnissen. Die vermeintlichen Schutzvorkehrungen des Familiengerichtsverfahrens stützen sich in Fällen, in denen Eingriffe als notwendig erachtet werden, fast ausschließlich auf die Empfehlungen medizinischer Kommissionen. Somit werden angeborene Variationen der Geschlechtsmerkmale weiterhin als „zu korrigierende“ Zustände behandelt. Dieser besorgniserregende Trend zeigt, wie die Gutachten der medizinischen Kommissionen eine pathologisierende Sichtweise verfestigen anstatt das Kindeswohl ausreichend zu berücksichtigen. Das steht im Widerspruch zum Geist und Wortlaut von § 1631e. So sind intergeschlechtliche Kinder weiterhin irreversiblen chirurgischen und/oder medizinischen Eingriffen ausgesetzt, lange bevor sie alt genug sind, um freie und umfassend informierte Entscheidungen über ihren eigenen Körper zu treffen.
OII Europe fordert die Bundesregierung auf, die Evaluation des Gesetzes mit dringlicher Priorität abzuschließen. Angesichts eindeutiger Hinweise darauf, dass einige der gesetzlichen Bestimmungen überarbeitet und verschärft werden müssen, fordern wir die Regierung zudem nachdrücklich auf, eine unabhängige wissenschaftliche Evaluation des Gesetzes in Auftrag zu geben!
Darüber hinaus fordern wir die Regierung auf, die verbleibenden Gesetzeslücken zu schließen, auf die OII Europe und OII Germany bereits in einem gemeinsamen Kommentar vom 12. Juli 2024 hingewiesen haben. Nur so kann sichergestellt werden, dass intergeschlechtliche Kinder wirksam vor weiteren Verletzungen ihrer Grundrechte geschützt werden. Dazu gehören;
- die Stärkung des rechtlichen Schutzes der körperlichen Autonomie und des Rechts auf geschlechtliche Selbstbestimmung von Kindern,
- die Bereitstellung unabhängiger, kostenloser Unterstützung durch Gleichaltrige für Familien,
- die Einführung obligatorischer geschlechterreflektierter Fortbildungen für Familienrichter*innen (wodurch sichergestellt wird, dass Gerichte ihre Entscheidungen am Wohl des Kindes und im Einklang mit Menschenrechtsstandards ausrichten und nicht auf veralteten medizinischen Annahmen basieren),
- die Einrichtung von Wiedergutmachungsmaßnahmen und eines Entschädigungsfonds für intergeschlechtliche Menschen, denen IGM widerfahren ist,
- das Streben nach Offenheit und Transparenz in allen Prozessen,
- die Veröffentlichung von Daten zur aktuellen Häufigkeit von IGM-Praktiken in Deutschland.
Fünf Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes verdienen intergeschlechtliche Kinder echten Schutz – und nicht vermeintliche Schutzmaßnahmen, die nur auf dem Papier bestehen. Im Jahr 2021 lobte OII Europe die deutsche Regierung dafür, dass sie eine Evaluation der Wirksamkeit des gesetzlichen Schutzes in den Gesetzestext aufgenommen hatte, und hat seitdem andere Regierungen dazu ermutigt, ähnliche Evaluationsbestimmungen in ihre eigene nationale Gesetzgebung aufzunehmen. Diese Bestimmung ist jedoch bedeutungslos, wenn die Regierung ihren Versprechen und gesetzlichen Verpflichtungen nicht nachkommt. Gemeinsam mit OII Germany erwarten wir eine unverzügliche und umfassende Auswertung des Gesetzes (§ 1631e BGB).
Footnotes (1&2 English, 3&4 German):
- See the Federal Government’s response on 15 July 2026 to a parliamentary question No. 7/102 from Maik Brückner (Die Linke), Member of the German Bundestag, regarding operations carried out on intersex children. Available at: [will be updated soon with the link] ↩︎
- Mangold, A.K. & Markwald, N. (17 June 2025), Available at: https://eufbox.uni-flensburg.de/index.php/s/CY32N7GQAiic6xy?dir=/&editing=false&openfile=true ↩︎
- Siehe Antwort der Bundesregierung vom 15.07.2026 auf eine schriftliche Anfrage No. 7/102 von Maik Brückner (Die Linke), Mitglied des Deutschen Bundestages, zu den erfolgten Operationen an inter*Kindern. Verfügbar unter: [wird sobald verfügbar hier eingesetzt] ↩︎
- Mangold, A.K. & Markwald, N. (17 Juni 2025), Verfügbar unter: https://eufbox.uni-flensburg.de/index.php/s/CY32N7GQAiic6xy?dir=/&editing=false&openfile=true ↩︎
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